Weder mutig noch enkeltauglich: zum Entscheid des Zürcher Stadtrates Klimaziel Netto Null 2040

Aus Energie WM Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Weder mutig noch enkeltauglich

Auch der Verein Klimastadt Zürich ist nicht zufrieden mit dem Zürcher Stadtrat. Dies zeigt er in seiner Medienmitteilung von gestern:

Enttäuscht nimmt der Verein Klimastadt Zürich die Mitteilung des Zürcher Stadtrates zu dessen Klimaziel Netto Null 2040 zur Kenntnis. Dieser folgt der Logik der Mitte: nicht so schnell, wie es die Klimabewegung und der Verein Klimastadt Zürich fordern, und nicht so langsam, wie es der Bundesrat vorsieht. Doch seine Entscheidung ist weder mutig, noch scheint der Stadtrat die Dringlichkeit der Lage zu erkennen. Der Verein Klimastadt Zürich, ein Zusammenschluss von im Klimaschutz aktiven Gruppen, erwartet mehr Tempo und eine Nachbesserung der Vorlage durch den Gemeinderat. Die Klimastadt Zürich anerkennt jedoch, dass die Abwägung der verschiedenen Interessen in der Stadt herausfordernd sind.

Gemäss Weltwetterorganisation hat die globale Klimaerwärmung bereits 1.2°C gegenüber der vorindustriellen Zeit erreicht. In der Schweiz hat sie sogar bereits 2°C überschritten. 2020 gehört zu den drei heissesten Jahren seit Jahrtausenden, und die 15 heissesten Jahre finden sich alle im 21. Jahrhundert.

Gemäss Weltklimarat IPCC2) beträgt die aktuelle globale Erwärmung pro Jahrzehnt um 0,2°C (Bandbreite: 0,1 °C bis 0,3 °C). Das bedeutet, dass bereits 2050 eine Erwärmung von 1.5 °C erreicht sein wird, dies jedoch auch schon 2036 der Fall sein kann.

UNO-Generalsekretär Guterrez warnt wiederholt in dramatischen Aufrufen vor einer dringend zu vermeidenden Klimakatastrophe und fordert Länder und Städte auf, die Klimakrise als das zu behandeln, was sie ist: eine drohende grosse existentielle Krise, die das Ausmass der Coronapandemie bei weitem übertreffen könnte.

Angesichts dieser Warnungen ist der Entscheid der Zürcher Stadtrats, die energiebedingten Treibhausgasemissionen der Stadt Zürich bis 2040 auf netto Null zu senken, schwierig nachvollziehbar. Der Entscheid ist weder enkeltauglich noch mutig. Zürich hat das technologische Wissen, die Finanzkraft und mit dem ehemaligen 2000W-Ziel die notwendigen Voraussetzungen, um ein Klimaziel zu erreichen, welches nachfolgenden Generationen gerecht wird.

Chance verspielt

Der Stadtrat verspielt die Chance, Zürich als führende Stadt im Kampf gegen die Klimakrise zu positionieren. Die Forschungsfortschritte im Bereich der CO2-Vermeidung bei Energie, Produktion, Baustoffen, Klimakommunikation und -psychologie, Landwirtschaft und Ernährung sind enorm. Mit einem ambitionierteren Klimaziel würde Zürich seine Ausstrahlung als zukunftsorientierte, nachhaltig-innovative Stadt und Wirtschaftstandort stärken. Als Standort von weltweit anerkannten Hochschulen sollte Zürich zum Vorbild für die Umsetzung von Massnahmen und zu einer eigentlichen Klimastadt mit Leuchtturmcharakter werden.

Deshalb erwartet der Verein Klimastadt Zürich vom Gemeinderat folgende Nachbesserungen:

  • Das Klimaziel wird auf 2030 festgelegt.

Vom Stadtrat erwartet er:

  • Die Klimakrise wird als die grösste Bedrohung für die Bevölkerung und das Wohlergehen der Stadt anerkannt
  • Die Abwehr und Bewältigung der Krise erhalten höchste Priorität in der politischen Arbeit
  • Das Erreichen von Netto Null Treibhausgasemissionen bis 2030 wird zum obersten Kompass für die ganze Stadtverwaltung erklärt. Sie wird angewiesen, in allen Tätigkeiten die Klimaauswirkungen zu berücksichtigen und zu reduzieren. Diese Ausrichtung wird bereits dieses Jahr festgelegt und permanent optimiert.
  • eine Taskforce aus Vertreter:innen von Stadtrat, Verwaltung und Stadtparlament ist für die Umsetzung eines etappierten Masterplans verantwortlich
  • Auf Zürcher Normierung und Swiss-Finish-Perfektionierung wird zu Gunsten pragmatischer, wirksamer und rascher Fortschritte verzichtet
  • Der Stadtrat schliesst sich dem Netzwerk der weltweit führenden Städte im Kampf gegen den Klimawandel an, stärkt die Zusammenarbeit mit Forschungsanstalten und setzt neue Lösungen beispielhaft um
  • Die lösungsorientierten Teile der Bevölkerung und der Wirtschaft werden als wichtige Ressource in den Lösungsprozess einbezogen

Der Verein Klimastadt Zürich erteilt dem Stadtrat ungenügende Noten für dessen Schlussfolgerungen zur Motion “Netto Null 2030”, die das Parlament unter dem Eindruck der wachsenden Klimastreiks im Mai 2019 überwiesen hat. Er erwartet, dass sich die Stadt Zürich ein viel ambitionierteres Ziel setzt und bietet der Stadt seine Unterstützung an.

Zoe Stadler: "Die Klimakrise stellt uns alle vor grosse Herausforderungen. Zürich als eine der reichsten Städte der Welt hat die Möglichkeit und Verpflichtung, eine Vorreiterrolle einzunehmen und in der Schweiz damit den Klimaschutz voranzubringen."

Zoe Stadler, Präsidentin Verein Klimastadt Zürich

Markus Keller, Geschäftsleiter Klimastadt Zürich

Jahr:2021