Stadt Zürich: Zwei neue Förderprogramme

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P.S., 1.10.2021

Die Stadt Zürich kann ihr 2000-Watt-Ziel erreichen, aber nicht im Schlafwagen: Um die Treibhausgasemissionen auf Stadtgebiet «massiv» zu senken, will der Stadtrat sowohl den Ersatz von fossilen Heizungen als auch die Sanierung von Gebäuden fördern.

Nicole Soland

Geben Öl- oder Gasheizungen den Geist auf, werden sie in der Stadt Zürich in 70 bis 80 Prozent der Fälle durch vergleichbare fossile Heizungen ersetzt. Rund 50 Prozent der direkten Treibhausgasemissionen in Zürich stamnen aus dem Gebäudebereich. Nebst der Wärmeversorgung mit fossilen Brennstoffen gibt es zudem ein weiteres Problem: Der energetische Zustand vieler Gebäude lässt zu wünschen übrig, sprich, ein zu grosser Teil der erzeugten Wärme verpufft via unzureichend gedämmte Wände und/oder Dächer.

Sowohl der Ersatz fossiler Heizungen durch solche, die mit erneuerbarer Energie funktionieren, als auch die Verbesserung des energetischen Zustands der Gebäude gilt es rasch anzupacken. Sonst lassen sich die 2000-Watt-Ziele nicht erreichen, die im Grundsatz seit der Volksabstimmung vom 30. November 2008 in der Gemeindeordnung der Stadt Zürich festgeschrieben sind und die der Stadtrat im Frühling neu definiert hat (siehe P.S. vom 23. April): Die Stadt will ihre direkten Treibhausgasemissionen auf dem Stadtgebiet bis ins Jahr 2040 auf Netto-Null reduzieren. Als Zwischenziel hat sie sich vorgenommen, ihre direkten Treibhausgasenissionen auf Stadtgebiet bis ins Jahr 2030 um mindestens 50 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren.

Deshalb startet die Stadt Zũrich nun zwei neue Förderprogramme, wie am Montag an einer Medienorientierung des Vorstehers des Gesundheits- und Umveltdepartements, Andreas Hauri, des Hochbauvorstehers André Odermatt und des Vorstehers des Departements der Industriellen Betriebe, Michael Baumer, zu erfahren war. Für das erste Förderprogramm beantragt der Stadtrat dem Gemeinderat einen Kredit von 18,5 Millionen Franken für die Beschleunigung des Heizungsersatzes und für Heizungsoptimierungen. Der Kredit ist für eine Pilotphase von drei Jahren gedacht. Der zweite Kredit umfasst 13,7 Millionen Franken und soll dazu führen, dass mehr energetische Sanierungen angepackt werden. Zu diesem Zweck wird für eine Pilotphase von vier Jahren ein neues städtisches Förderprogramm für energetische Gebäudesanierungen geschaffen.

Energieberatungs-Pop-up

Konkret: Bis 2040 müssen 21 300 fossil betriebene Heizungen ersetzt werden. Den Wärmebedarf gilt es mittels entsprechender Sanierungen um 20 Prozent zu reduzieren. Die Sanierungsrate von heute zirka 1,5 Prozent soll ab nächstem Jahr auf 2.2 Prozent erhöht werden. Damit das alles gelingt, bräuchten die HauseigentümerInnen Unterstützung, sagte Stadtrat Hauri, und zwar einerseits solche finanzieller Art, aber auch Beratung. Quasi im gleichen Atemzug gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass das revidierte kantonale Energiegesetz, das am 28. November zur Abstimmung kommt, angenomnen wird und betonte, auch bei einem Ja seien die nun vorgestellten städtischen Massnahmen nach wie vor nötig, um die Ziele zu erreichen.

Beim Heizungsersatz nannte Andreas Hauri erstens 2000-Watt-Beiträge als Anreiz, erneuerbare Systeme zu wählen, zweitens eine Restwertentschädigung als Anreiz, nicht-amortisierte Heizungen zu ersetzen, drittens Weiterbildung und Schulung für InstallateurInnen und PlanerInnen und viertens die Optimierung bestehender Heizungen. Zur Senkung des Wärmebedarfs steht die Gebäudehüllensanierung in Vordergrund: 65 Prozent der Gebäude in der Stadt Zürich sind vor 1960 gebaut worden, 30 Prozent sogar vor 1930. Zudem stehen 17 Prozent der Gebäude unter Denkmalschutz oder sind im Inventar schützenswerter Objekte verzeichnet – und diese 17 Prozent sind für einen VierteI der direkten Treibhausgasemissionen der Wärmeversorgung verantwortlich.

Mit dem neuen Programm, das die kantonale Förderung ergänzt, will die Stadt deshalb nebst „gewöhnlichnen Gebäudesanierungen“ auch energetische Sanierungen geschützter und inventarisierter Gebäude fördern. Damit soll die energetische Sanierungsrate von Fenstern und Fassaden bei Inventar- und Schutzobjekten gesteigert werden. Vorgesehen sind Pauschalbeträge pro Quadratmeter Glasfläche oder Fassadenfläche. Es werden mindestens 20 Prozent der Mehrinvestitionen vergütet, und diese Massnahme ist zudem mit der Förderung der Gebäudehüllensanierung kombinierbar. Für alle (Fälle) gibt es zudem niederschwellige Beratung und Veranstaltungen zum Thema, und zwar vom 4. Oktober bis 13. November im «Energieberatungs-Pop-up» auf dem Werdmühleplatz.

Massnahmen gegen Leerkündigungen

Dass die Stadt auch beim energetischen Sanieren mit dem guten Beispiel vorangeht, erläuterte André Odermatt am Beispiel des Portfolios der Immo, das die städtischen Liegenschaften im Verwaltungsvermögen wie beispielsweise Schulhäuser umfasst. Von 2007 bis 2019 konnten die jährlichen CO2-Emissionen um etwa 23000 Tonnen, sprich rund die Hälfte, gesenkt werden. Bis 2030 sollen es 90 Prozent sein. «Netto-Null lässt sich auch unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes erreichen, betonte Stadtrat Odermatt.

Doch die Stadt kann sosehr mit gutem Beispiel vorangehen, wie sie will – wenn die privaten EigentünerInnen nicht mitmachen, ist das Ziel nicht zu erreichen. Es kann aber auch nicht sein, dass die EigentümerInnen Fördergelder erhalten und als „Dank“ dafür ihre MieterInnen auf die Strasse stellen, bevor sie mit dem Sanieren loslegen.

In diesem Zusammenhang hob André Odermatt die Massnahmen zugunsten der Sozialverträglichkeit hervor, die der Stadtrat in die Förderprogramme eingebaut hat. So müssen die Sanierungen im bewohnten oder im ungekündigten Zustand erfolgen: «Die Investitionen, die für Netto-Null nötig sind, dürfen nicht zu Leerkündigungen und zu anschliessend nativ höheren Mieten führen», sagte er. Aus demselben Grund müssen beim Heizungsersatz die Förderbeiträge von den wertvermehrenden Investitionen abgezogen werden.

Stadtrat Michael Bauner machte zum Schluss noch auf Neuerung aufmerksam, die es den EigentünerInnen erleichtern soll, Sanierungen anzupacken: Künftig gibt es eine einzige Plattform für sowohl städtische wie auch kantonale Sanierungsbeiträge, sprich, man braucht nur noch einmal ein Formular auszufüllen und erhält dann alle Förderinstrumente Objekt infrage kommen.

In ihrer Medienmitteilung vom Montag begrüsst die SP Stadt Zürich den Klimaplan für Gebäude: «Die SP wird kritisch prüfen, ob der Umfang ausreichend ist, um Netto-Null rechtzeitig zu erreichen», schreibt die Partei.