Predigt aus dem deutschen Umweltministerium: «Autofasten» für freie Christenmenschen

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NZZ 01.03.2017

von Christoph Eisenring, Berlin

Bis Ostern freiwillig aufs Auto verzichten: Das finden die deutsche Umweltministerin Hendricks und die Kirchen gut. Sogar der grösste Verkehrsklub hat nichts dagegen.

Das deutsche Umweltministerium ist stets für einen «Aufreger» gut. Zunächst hatte es Anfang Jahr viele Landwirte mit dümmlichen «neuen Bauernregeln» verärgert. Ministerin Barbara Hendricks hat sich mittlerweile dafür entschuldigt und die Plakataktion abgebrochen. Vor zwei Wochen sorgte ihr Ministerium dann für Schlagzeilen, weil es Gästen nur noch vegetarische Kost servieren will. Dass ein Gastgeber die Speisen auswählt, sollte jedoch keine Staatsaffäre auslösen. Die Kantine für die Mitarbeiter ist von dem Erlass zudem nicht betroffen. Und wer es deftig mag, kommt sicher im Landwirtschaftsministerium zum Zug, dessen Minister flugs erklärte, bei ihm gebe es keinen «Veggie-Day». Jetzt aber folgt der nächste Coup: das «Autofasten».

Die Idee ist, dass man von Aschermittwoch bis Ostern sechs Wochen auf das Auto verzichtet und stattdessen den öffentlichen Verkehr oder das Velo nimmt. Hendricks sagte, man sei als Christ in der Fastenzeit eingeladen, die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen zu vertiefen, eigene Gewohnheiten und Verhaltensweisen zu überdenken. Die Aktion ist nun aber keineswegs neu, wie die Aufregung in den sozialen Netzwerken nahelegen könnte. Sie wird durch Kirchen im Südwesten Deutschlands bereits zum 20. Mal durchgeführt.

Diese betonen wie Hendricks, die Aktion «fordere» nichts, sondern sei eine Einladung. Man könne so testen, ob der Autoverzicht eine Alternative sei. Und was hat das mit Religion zu tun? Ein biblischer Auftrag laute, die Schöpfung zu bewahren. Auch der grösste Verkehrsklub, ADAC, der einst den Slogan «freie Fahrt für freie Bürger» prägte, hat nichts gegen freiwilligen Verzicht: Vor allem kurze Strecken liessen sich gut zu Fuss oder per Velo zurücklegen – und das nicht nur zur Fastenzeit. Und was bringt die Aktion der Umwelt? In den vergangenen Jahren haben je 2000 Personen am «Autofasten» mitgemacht. Der Effekt ist also bescheiden, wenn man bedenkt, dass drei von fünf Deutschen schon einmal für mehrere Wochen gefastet haben wollen. Es scheint jedenfalls leichter, auf Fleisch oder Alkohol zu verzichten statt aufs Handy oder aufs Auto.