Photovoltaik-Markt: Was die staatliche Förderung bedeutet

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www.haustech-magazin.ch, 29.03.2017

Georges Schaer *

Der Bund kürzt per Ende März die Förderbeiträge für kleinere Photovoltaik-Anlagen, die sogenannte Einmalvergütung (EIV). Dennoch ist die Nachfrage in diesem Segment ungebrochen. Eine kleine Aufdachanlage hat in der Regel ihre Kosten in 15 Jahren amortisiert.

In kaum einer anderen Branche gab es in den vergangenen Jahren einen so massiven Preiszerfall wie im Solarstrom-Markt. Fukushima 2011 und die darauf folgende Förderpolitik Deutschlands spielten dabei eine zentrale Rolle. Sie lösten einen Investitions-Boom in Solaranlagen aus. Den nutzten auch die Chinesen, stampften in Höchstgeschwindigkeit Fabriken aus dem Boden und stiegen mit Dumping-Preisen in die Massenproduktion ein. Je länger Fukushima her war, desto mehr gingen die Subventionen zurück. Der deutsche Solarstrom-Markt brach zusammen, jede zweite Arbeitsstelle ging verloren. Das Auftragsvolumen macht heute noch ein Siebtel von dem aus, was es zu Boom-Zeiten mal war.

Ein Beispiel für eine gut funktionierende, moderate Förderung in der Schweiz ist die Einmalvergütung (EIV) für kleinere Photovoltaik-Anlagen, die es seit 2014 gibt. Sie gilt für Solarstrom-Anlagen bis zu einer Leistung von 30 Kilowatt. Der Bund hat die EIV in den vergangenen Jahren laufend gesenkt, angepasst an die Entwicklung der Technologien, ihre langfristige Wirtschaftlichkeit und die Bedingungen des Kapitalmarkts. Die nächsten Absenkungen stehen per 1. April und 1. Oktober 2017 an. Die bisherigen Kürzungen fielen unter dem Strich kaum ins Gewicht, denn die Materialkosten für Solarpanels haben sich in den vergangenen fünf Jahren halbiert, und sie sinken weiter.

Investoren für grosse Anlagen fehlen

Was eine Überförderung im Markt auslösen kann, zeigt das Beispiel der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Sie fördert seit 2009 Solarstrom-Anlagen. Den Ersten, die damals in eine Solarstromanlage investierten, sprach man für mehr als 25 Jahre Beiträge zu - so viele, dass sie die gesamten Investitionskosten der Anlage erstattet bekommen und obendrauf noch satt daran verdienen.

Die KEV löste schon kurz nach deren Einführung einen Investitionsschub in die Solarenergie aus. Nach Fukushima 2011 boomte die Nachfrage förmlich. Mittlerweile gibt es für die KEV eine Warteliste, die lang ist und immer länger wird. Im Moment dauert es sechs Jahre, bis ein Investor zum Zug kommt. Seit das Parlament nun auch noch bekanntgegeben hat, dass bei Annahme der Energiestrategie 2050 die KEV eingestellt würde, ist der Markt für grosse Photovoltaik-Anlagen vollkommen eingebrochen. Heute fehlen die Investoren für Grossanlagen und damit die Aufträge für deren Installateure. Etwa sieben Schweizer Anbieter hatten sich darauf spezialisiert. Sie drücken jetzt auf den Markt für kleinere Anlagen in den Einfamilienhausbereich.

Dort ist die Nachfrage nach SolarstromAnlagen in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Eine wichtige Rolle spielt die Wirtschaftlichkeit der Anlagen. Bei den heutigen Preisen, Steuerabzügen und dank den Förderbeiträgen lässt sich eine kleine Aufdach-Anlage ohne Stromspeicher in der Regel in der Hälfte ihrer Lebensdauer von 30 Jahren amortisieren. Wie viel Geld ein Wohneigentümer mit einer Solarstrom-Anlage schliesslich spart, hängt von den Investitionskosten, vom Strompreis und vom persönlichen Stromverbrauch ab.

Unabhängig und ökologisch sein

Eigenheimbesitzer denken nicht in erster Linie an den Profit. Sie sind motiviert, von den grossen Energiekonzernen unabhängiger zu werden und einen Beitrag zur Umwelt zu leisten. Viele wünschen sogar, sie könnten den Netzanschluss kappen. Der Traum ist 2014 mit der Revision der Energieverordnung greifbarer geworden. Seither ist es erlaubt, den selbst produzierten Strom selbst zu verbrauchen. Rund ein Drittel des Stroms, den eine Photovoltaik-Anlage produziert, kann selbst genutzt werden. Ein Batteriespeicher erhöht den Eigenverbrauch sogar auf zwei Drittel.

Die Möglichkeit, Strom zu speichern, ist deshalb für Eigenheimbesitzer interessant geworden. In der Schweiz spielen Batteriespeicher noch eine untergeordnete Rolle. Bis vor kurzem waren sie viel zu teuer, trotz einer ansehnlichen Lebensdauer von 15 Jahren. Aber die Preise sinken: Vor zwei Jahren waren sie noch doppelt so hoch, in diesem Jahr werden Stromspeicher nochmals deutlich günstiger. Ein Batteriespeicher mit einer Speicherkapazität von 6 kWh ist beispielsweise für 8900 Franken inklusive Montage erhältlich. Der Kanton Thurgau zahlt bis heute als einziger Kanton in der Schweiz Fördergelder für Stromspeicher, und zwar im Moment 2000 Franken Grundbeitrag plus 300 Franken pro kWh Speicherkapazität. Wer also heute im Thurgau einen Speicher bestellt, bekommt rund 40 Prozent der Gesamtkosten geschenkt. Ein Batteriespeicher ist heute nur mit einem Förderbeitrag wirtschaftlich, deshalb verbauen wir bis heute 90 Prozent der Batteriespeicher im Kanton Thurgau.

Energiestrategie entscheidend

Wer Energie sparen möchte, sollte die Wärmedämmung und -erzeugung nicht vergessen, denn die meiste Energie verbrauchen wir beim Heizen von Haus und Wasser. Der Gebäudebereich ist verantwortlich für über 40 Prozent des Energieverbrauchs. Fast so hoch sind die klimaschädlichen CO2-Emissionen im Gebäudebereich. Daran beteiligt sind 60 Prozent der Hauseigentümer, die, anstatt in ein CO2-neutrales Heizsystem zu investieren - beispielsweise in eine Erdsonden - oder eine Pelletheizung oder zumindest in einen Wärmepumpenboiler - ihren alten Ölkessel durch einen neuen ersetzen.

Hierzulande stehen seit 2010 im Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen Fördergelder für energetische Sanierungen von Gebäuden sowie Investitionen in erneuerbare Energien zur Verfügung. Beiträge an Minergie-Bauten sind seit längerem ein Begriff. Dazu kommt eine Vielzahl von kantonal geregelten Bestimmungen. Wer mithilfe der Fördergelder Kosten sparen möchte, ist auf eine solide Beratung durch die Fachplaner angewiesen. Die Einmalvergütung für kleinere Solarstrom-Anlagen ist ein vergleichsweise einfaches System, um Eigenheimbesitzer zu motivieren, in erneuerbare Energien zu investieren.

Im Mai stimmt die Schweiz über die Energiestrategie 2050 ab. Das Ergebnis wird nicht nur für die Solarbranche entscheidend sein. Denn in der Energiestrategie 2050 geht es um die Finanzierung der Förderung aller erneuerbaren Energien. Bei einer Ablehnung der Energiestrategie wäre die EIV zwar nicht unmittelbar gefährdet, da ja das bisherige Energiegesetz weiterhin gilt. Die langfristige Finanzierung wäre jedoch infrage gestellt. Die Erfahrung mit verschiedenen Fördersystemen aus diversen Branchen und aus dem Ausland zeigt aber, dass die Schweizer Politik für die Energiewende mehr Anreize wird schaffen müssen als bisher. Die Energiestrategie 2050 ist ein guter Anfang.

* Georges Schaer ist Inhaber der Schaer Energie AG in Trogen und Spezialist für Solarenergie und Pelletheizungen in der Ostschweiz.