Ostschweizer Energiepraxis April 2017

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www.awel.zh.ch, April 2017

  • MEHRFAMILIENHAUS-SANIERUNG MIT AKTIVER GLASFASSADE – FASSADEN-INTEGRIERTE PHOTOVOLTAIK-ANLAGEN
    Ein 30 Jahre altes Wohnhaus mitten in der Stadt Zürich wurde zum Plusenergiebau (Jahresbilanz) erneuert und umgebaut. Die energetische Sanierung umfasste die Integration von Photovoltaik-Anlagen in die Gebäudehülle. Das gestalterisch und technisch innovative Vorhaben wird unter anderem vom Kanton Zürich als Pilotprojekt und vom Bund als Leuchtturmprojekt gefördert.
    Paul Knüsel, Wissenschaftsjournalist BR
  • NEUERUNGEN BEI DER BERECHNUNG DES HEIZWÄRMEBEDARFS – DIE REVIDIERTE SIA 380/1 – EIN PRAXISBERICHT
    Die SIA 380/1 bildet seit drei Jahrzehnten die Basis für den Vollzug der energetischen Massnahmen der Kantone; sie ist bekannt, verbreitet und erprobt. Die Überarbeitung der im Dezember 2016 in Kraft gesetzten Neufassung erfolgte deshalb konsequent in enger Zusammenarbeit mit den Vertretern der Kantone. Ziel bleibt der massvolle Einsatz von Energie für die Raumheizung gepaart mit einer einmaligen Praxisfreundlichkeit und Vollzugstauglichkeit.
    • Stefan Mennel, mennelENGINEERING, Baar – Kommissionspräsident SIA 380/1
    • Fazit
      Die Berechnungsmethode nach SIA 380/1:2016 dokumentiert weiterhin den Stand der Technik. Sie ist auf die Energiestrategie 2050 des Bundes sowie die MuKEn:2014 abgestimmt und vermeidet Widersprüche. Durch die Überarbeitung konnten die Praxistauglichkeit erhöht und die Anwendbarkeit insbesondere im Hinblick auf die künftigen Anforderungen verbessert werden.
      An dieser Stelle gilt mein Dank den Mitgliedern der Kommission 380/1, welche mit mir in insgesamt 20 Sitzungen die technischen, wirtschaftlichen und sozialen Aspekte der Anwendung der Norm diskutiert und definiert haben. Nur durch die Vollständigkeit der Kompetenz der Mitglieder konnte ein typisch Schweizerischer Kompromiss erarbeitet werden. Unterstützt wurden wir von den Sachbearbeitern Adrian Tschui und Reto Gadola, welche engagiert mitgearbeitet haben. Allen ein grosses Dankeschön!
  • ZURÜCK ZUR EINFACHHEIT – TECHNIK EINSPAREN DURCH LOW-TECH-ELEMENTE
    Auf dem Klimaschutzkongress der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) bei Zürich ist ein Zwischenbericht einer Projektarbeit zur Definition von Low-Tech-Gebäuden mit einer Übersicht von Referenzobjekten präsentiert worden.
    Beat Kölbener, Energieagentur St.Gallen, St.Gallen
    • Low-Tech-Komponenten
      Gemeinsam ist den ausgewählten Gebäuden eine sehr gut gedämmte Hülle, die eine Heizung in Teilen verzichtbar macht. Das Zusammenspiel von bewusst geplanten Fenstergrößen und gezielt eingesetzter Gebäudemasse maximieren die solaren Gewinne, verzögern eine Wärmeaufnahme und

-abgabe und verhindern so eine Überhitzung im Sommer.

    • Nach dem Konzept «viel Haus, wenig Technik» zeigt das Sonnenhauses für drei Generationen von Andrea Rüedi weitere Low-Tech-Komponenten. Die Materialisierung, angefangen vom statischen System bis zum Innenausbau, ist auf das Notwendige reduziert. Der Architekt hat Materialien

ausgesucht, die mehrere unterschiedliche Funktionen übernehmen – und das ohne chemische Zusätze – und Konstruktionen gewählt, bei denen die einzelnen Funktionsschichten eines Bauteils leicht wieder voneinander zu trennen sind. Beispiele dafür sind die unarmierten und rohen Betonböden, der einfache Wandaufbau des beidseitig verputzten Einsteinmauerwerks oder die hinterlüftete Fassadenkonstruktion des Nebenbaus. Die Gebäudetechnik ist so konzipiert, dass zum einen die kurzen Installationswege und die sichtbar verlegten Leitungen für Lüftung und Wassererwärmung wenig Material und damit auch wenig Ressourcen verbrauchen. Zum anderen ist deren Unterhalt einfach. Auch der bauliche Sonnenschutz, der im Sommer direkte Sonneneinstrahlung verhindert und damit den Einsatz von Elektromotoren für Storen vermindert, ist eine sinnvolle Low-Tech-Komponente.

    • Ein schönes Beispiel dafür ist der Brise Soleil des neuen Bürogebäudes der i+R Gruppe in Lauterach (Architekten Dietrich│Untertrifaller). Am LEED Platin zertifizierten Gebäude lässt eine der Südfassade vorgeblendete Holzkonstruktion nur flache Sonnenstrahlen auf die Glasflächen auftreffen.
      Bei einigen Gebäuden haben die Planenden Stroh, Holz oder Lehm als überwiegenden Baustoff eingesetzt und damit die zur Erstellung der Gebäude aufgewendete graue Energie drastisch reduziert. Als Beispiel dient hier das lastabtragende Strohhaus des Architekten Georg Bechter.
  • BILANZIERUNG DER INTERAKTION MIT DEM STROMNETZ IN DER GEBÄUDEPLANUNG – EIGENVERBRAUCHSBERECHNUNG MIT PVOPTI
    PVopti berechnet in der Planungsphase von Gebäuden auf einfache Weise den Netzbezug sowie den eigenverbrauchten Strom und die Netzeinspeisung des Photovoltaik-Ertrags. Das Excel-Tool berücksichtigt neben den wesentlichen Energiebezügern und der eigenen Stromerzeugung auch elektrische Speicher und Massnahmen der Bedarfssteuerung. PVopti ist Teil der Minergie Gebäudestandards 2017 und kann auch unabhängig von Minergie genutzt werden.
    Bastian Burger, dipl.- Ing. ETH, Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Institut Energie am Bau
    • Einsatzmöglichkeiten
      Die Anforderungen von Minergie 2017 unterscheiden zwischen Eigenverbrauch und Einspeisung und machen PVopti zum Teil des Nachweises. Werden unterschiedliche Gewichtungen für Strom aus Eigenverbrauch, Einspeisung oder Netzbezug angewendet, so liefert PVopti mit der stundenbasierten Bilanz eine fundierte Grundlage.
      Wegen der zunehmenden Differenz zwischen Stromkosten und der Vergütung für die Einspeisung wird die Erhöhung des Eigenverbrauchs finanziell zunehmend interessanter.
      Basierend auf den von PVopti berechneten Kennwerten der Netzinteraktion können die finanziellen Auswirkungen berechnet und so die Wirtschaftlichkeit von Anlagen besser beurteilt werden.
      Als erstes frei erhältliches Tool ermöglicht PVopti die stundenbasierte Berechnung und Optimierung der Netzinteraktion für verschiedene Gebäudekategorien und Varianten. Durch die Verwendung von Standardwerten, Profilen und Klimadaten ist das Tool breit und fundiert abgestützt. Die Möglichkeit der Eingabe objektspezifischer Werte macht es flexibel und für Energiebilanzen vielseitig nutzbar. Mit geringem Aufwand kann die Berücksichtigung der Netzinteraktion in die Gebäudeplanung einfliessen. Entsprechend ausgeführte Gebäude können so die Umstellung auf erneuerbare Energieerzeugung fördern.
    • Bezug des Tools: PVopti ist auf http://www.minergie.ch als kostenloser Download verfügbar.