KLIMASPUREN – Schönes und Nützliches verbinden

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«Klimaspuren» ist eine öffentliche Wanderung durch die Schweiz, die auf den Klimawandel in seinen verschiedenen Facetten aufmerksam macht.

Roxane Steiger, P.S. 25.06.21

Schwitzend und etwas ausser Atem kamen die WanderInnen der «Klimaspuren»-Wanderung zum Wanderstart im fünften Stock eines Bürohauses im «Klimaraum» an der Hardstrasse an. Der thematische Einstieg in den Tag: der Finanzplatz und sein Einfluss auf das Klima. Weiter folgte ein Rundgang mit Grün Stadt Zürich durch Zürich West und im Anschluss ein Spaziergang zum Werdmühleplatz. Was hat es mit dieser Wanderung fürs Klima auf sich? Das P. S. ist vergangen Freitag in Zürich mitgewandert und hat Eindrücke gesammelt.

Wandern, lernen und vernetzen

Der Verein Klimaspuren veranstaltet eine 700 Kilometer lange Wanderung durch die ganze Schweiz. Die WanderInnen starteten am 1. Juni in Ilanz und werden voraussichtlich am 12. Juli am Endziel in den Genfersee springen. Die Route erstreckt sich von Ilanz über St. Gallen, das Mittelland, den Jurasüdfuss bis zum Lac Léman, um schliesslich in Genf anzukommen. Die Etappen sind in vier bis sieben tägliche Wanderstunden unterteilt. Es handelt sich um eine öffentliche Wanderung als Protestform gegen die Zerstörung des Klimas. Auf dem Weg sollen Schäden des Klimawandels sowie neue Wege für eine andere Art des Wirtschaftens und des Lebens aufgezeigt werden. «Lasst uns das Schöne mit dem Nützlichen verbinden», lautet das Motto des Kernteams in einer Info-Broschüre. «Bei der Klimaspuren-Wanderung geht es auch um Vernetzung mit AktivistInnen, PolitikerInnen oder Organisationen», erzählt Zoe Stadler, die mit Dominik Siegrist, Köbi Gantenbein, Sylvain Badan und Lucie Wiget Mitglied des Kernteams ist. Das Kerntean wandert die ganze Strecke mit, während sich pro Wandertag immer wieder neue WanderInnen anschliessen und die Truppe nach einiger Zeit wieder verlassen. In Zürich legten die WanderInnen einen Tag Wanderpause ein, den sie mit Spaziergänge und zahlreichen inhaltlichen Inputs füIlten.

Finanzplatz und Hitzeminderung

Der entspannte Wandertag in Zürich wurde von den Organisationen [http://www.fossil-free.ch/ fossil-free.ch|, dem Kulturpark sowie der Klimastadt Zürich unterstützt. Daniel Stern, Journalist bei der WOZ und Mitglied von fossil-free.ch, verdeutlichte in seinem Vortrag im «Klimaraum» das Ausmass an klimaschädlichen Investitionen, die vom Schweizer Finanzplatz ausgehen. «Der Finanzplatz verursacht global 20 Mal mehr Ausstoss als die Schweiz alleine, indem er schädliche Industrien finanziert und versichert», erklärte er. Insbesondere das Versicherungsgeschäft und das Investment-Banking seien grosse Knackpunkte. Er berichtet von Gasförderung in Mozambique und der damit zusammenhängenden Ausbeutung der lokalen Bevölkerung oder der Beteiligung der Credit Suisse am Unternehmen Energy Transfer. Dieses betreibt in den USA Pipelines und bereitet in Anlagen Erdgas auf. Das geförderte Erdgas wird dort gereinigt, und sein Hauptbestandteil Methan wird von anderen Gasen getrennt. Das entweichende Methan ist für das Klima besonders gefährlich, und sein Gehalt in der Atmosphäre steigt. Das Argument, dass die Schweiz beim Klimaschutz ohnehin nichts bewirken könne, hört sich nach diesen Ausführungen noch unglaubwürdiger an. Die inhaltsleeren «grünen» PR-Kampagnen sowie die Versprechen und Bekenntnisse zu unverbindlichen Klima-Vereinbarungen auch.

Weg von der Problembekämpfung, hìn zun Umgang mit den durch den Klimawandel verursachten Problemen. Nach einer Mittagspause versammelten sich die WanderInnen bei 32 Grad Hitze zu einem Spaziergang von Turbinenplatz bis zum Hardhof. Passend zur Temperatur führte Grün Stadt Zürich verschiedene Hitzeminderungsstrategieen der Stadt aus. Beeindruckend waren die Wärmebilder und -karten und die Tatsache, dass in der Nacht der Temperaturunterschied nach Stadtteil um bis zu zehn Grad variieren kann. Vorgestellt wurden Konzepte zur Fachplanung der Bäume, zur Schwammstadt sowie zur Vertikalbegrünung.

Als Ziel verfolgt die Stadt, Überwärmung zu vermeiden, empfindliche Stadtgebiete zu entlasten und das bestehende Kaltluftsystem zu erhalten. Kühle Luft entsteht vor allem an Hanglagen in den umgebenden Grün- und Freiflächen und wirkt in der Nacht der Wärmebelastung entgegen. Auch Bäume und Begrünung gelten als zentrales Mittel für ein angenehmes Städteklima. Hier muss die Stadt bei privaten Grundstücken jedoch einen Verlust an Grünflächen feststellen. Grund dafür sei die Inenverdichtung, also die Siedlunggsentwicklung nach innen, die bestehende Grünflächen verdränge.

Auf dem weiterführenden Spaziergang von Zürich West zum Werdmühleplatz statteten die WanderInnen dem Finanzplatz einenBBesuch ab und wurden zu den Stadtklimainitiativen sowie der Stadtgrüninitiative (P.S. berichtete) informiert. Beim Klimapavillon beim Werdmühleplatz angekommen, wurden die WanderInnen von Stadtrat Richard Wolff empfangen. Abgerundet wurde der Abend an einer Soirée Climatique nach einer Diskussion zwischen Kantonsrat Nicola Siegrist (SP) und dem Umweltdirektor der Stadt Zürich René Estermann mit einem Konzert.

www.klimaspuren.ch