Hören wir auf, Ressourcen runterzuspülen

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P.S. 11.03.2022

Alle sprechen über Nachhaltigkeit und davon, wie sie sie im Alltag integrieren. Die meisten denken dabei sofort an eine pflanzliche Ernährung, slow Fashion und umweltschonendes Reisen. Nachhaltigkeit ist aber viel mehr und es ist wichtig, sich auch anderen Aspekten gegenüber zu öffnen und den Status quo kritisch zu hinterfragen. Der Gegenvorschlag zur Kreislaufinitiative der Jungen Grünen, über den voraussichtlich im September abgestimmt wird, umnfasst erfreulicherweise auch die Produktion von Gütern sowie das Bauwesen und schliesst somit weitere Teilbereiche ein.

Dennoch geht noch immer viel Potenzial verloren, und dazu tragen wir alle täglich bei – denn wir spülen dieses Potenzial, ohne gross darüber nachzudenken, die Toilette runter.

Bislang sind Sanitärsysteme in der Schweiz linear ausgerichtet. Neben grossen Mengen an Wasser werden auch wertvolle Ressourcen wie etwa Stickstoff und Phosphor, die in menschlichen Exkrementen enthalten sind, hinuntergespült. Die aktuellen Kläranlagen sind nicht in der Lage, solche Wertstoffe aus dem Wasser zu filtern. Folglich gehen sie verloren. Tragisch wird dieser Umstand vor allem vor dem Hintergrund, dass Phosphor und Stickstoff im Ausland umweltschädlich produziert werden, um sie anschliessend als Dünger in die Schweiz zu importieren. Während hinter der Produktion von Stickstoff ein energieintensiver Prozess steht, wird Phosphor in Ländern wie Marokko, China oder Jordanien unter teils fragwürdigen Bedingungen abgebaut. Hinzu kommt, dass Phosphor knapp ist und die Ressource durch den intensiven und verschwenderischen Konsum sowie fehlendes Recycling ganz auszugehen droht. Nach ihrem Einsatz als Dünger gelangen die Nährstoffe in natürliche Gewässer, wo sie das Ökosystem verschmutzen und aus dem Gleichgewicht bringen.

Glücklicherweise gibt es in der Schweiz aber bereits verschiedene Akteurinnen, die dabei sind, Alternativen zu entwickeln. Sie engagieren sich für den Einsatz von zirkulären Systemen. Kreislauffähige Sanitärsysteme haben ein immenses Potenzial, zum Umweltschutz vor Ort sowie global beizutragen, und weisen auch in der Landwirtschaft einen grossen Nutzen auf: Neben dem erwähnten Dünger, der nicht mehr im Ausland produziert werden müsste, kann auch Kompost gewonnen werden, und das bis anhin verschmähte Wasser fände so auch endlich einen Einsatz. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, sich allen Innovationen zugunsten der Umwelt gegenüber zu öffnen, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht die appetitlichsten Anliegen sein mögen.

Gina Marti, Mitglied Junge Grüne Zürich