Digitalisierung: Industriefirmen setzen auf Roboter

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NZZ 20.03.2017

von Thomas Schürpf

Schweizer Industriefirmen setzen zunehmend auf digitale Technologien. Für rund 60 Prozent der Betriebe spielen sie eine grosse Rolle. Eine Limite setzen finanzielle Möglichkeiten und fehlendes Personal.

Die «vierte industrielle Revolution» schreitet auch in der Schweiz voran. Der Anteil der Firmen, die in Roboter investieren, nimmt stark zu. Gemäss einer am Montag publizierten Umfrage des Beratungsunternehmens EY spielen für 59% der Firmen digitale Technologien für das eigene Geschäftsmodell eine mittelgrosse bis sehr grosse Rolle. Vor einem Jahr waren es erst 42% der Betriebe gewesen. Mehr als jede dritte Industriefirma (38%) rechnet damit, dass die Bedeutung digitaler Technologien mittelfristig noch deutlich steigen wird.

Richtung Industrie 4.0

In der digitalisierten, sogenannten Industrie 4.0 kommunizieren und kooperieren Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und auch die Produkte direkt miteinander. Ziel ist eine effizientere und zugleich kundenspezifischere Fertigung von Produkten.

Schweizer Firmen zeigen sich in der Umfrage überraschend investitionsfreudig: 31% der befragten Unternehmen planen, ihre Gesamtinvestitionen in Ausrüstung und Maschinen in den kommenden sechs Monaten zu erhöhen. Noch höher lag der Anteil letztmals 2011. Diese Investitionsfreude kontrastiert mit einer bemerkenswerten Zurückhaltung im Personalbereich. Nur 19% der Firmen wollen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. 18% (2016: 10%) planen sogar Stellenstreichungen.

Fachpersonal fehlt

Laut der EY-Umfrage zeigt sich, dass viele klassische Industrieberufe langsam verschwinden und durch Roboter ersetzt werden. Für diese Digitalisierung benötigen die Firmen qualifiziertes Personal. Dies ist für viele Firmen offenbar ein Problem: Rund drei von fünf Industrieunternehmen in der Schweiz (59%) fällt es nach eigenen Angaben «eher schwer» oder «sehr schwer», geeignete Fachkräfte zu finden. Die unbesetzten Stellen sind mehrheitlich im technischen Bereich: Bei über 60% der Firmen bleiben Positionen in der Produktion aus Mangel an geeigneten Bewerbern vakant.

Solche personelle Probleme könnten technologische Fortschritte bremsen. «Mit Robotern alleine ist es nicht getan», erklärt dazu Christian Schibler, Partner und Sektorleiter Industrie bei EY Schweiz. Es brauche gut ausgebil­dete Mitarbeiter, welche die immer komplexer werdenden Anlagen auch bedienen könnten.

Die Umfrage hat die Firmen auch zu Faktoren befragt, welche der Digitalisierung im Weg stehen. In den Antworten stehen die begrenzten finanziellen Möglichkeiten sowie fehlendes Know-how und fehlendes Fachpersonal im Vordergrund.

Überraschend viele in kritischem Zustand

Die Umfrage zeigt weiter, dass sich viele Industrieunternehmen in einem kritischen Zustand befinden. In der Umfrage bezeichnen 12% der Befragten den Zustand ihrer Firma als kritisch. Der Anteil ist deutlich höher als bei den anderen Wirtschaftssektoren. Er ist beinahe doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft. Dieselbe Tendenz zeigt sich auf strategischer Ebene. Für 11% der Unternehmen geht es in den kommenden Monaten nur noch ums Überleben. Vor zwei Jahren hatten sich nur 5% der Firmen die Überlebensfrage gestellt.