Alterswohnungen: Woher nehmen und nicht stehlen?

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P.S. 11.03.2022

Alterswohnungen sind in der Stadt Zürich ein rares und begehrtes Gut. Darüber, dass es mehr davon braucht, ist man sich einig - doch wie realistisch ist die Forderung nach «plus 2000 Wohnungen bis 2035», die eine eben zustandegekommene Volksinitiative verlangt?

Nicole Soland

Als der Zurcher Gemeinderat an seiner Sitzung vom 4. März 2021 die «Altersstrategie 2035» einstimmig verabschiedete, herrschte trotzdem nicht eitel Friede, Freude, Eierkuchen. Kritik kam insbesondere von SP und AL. David Garcia Nunez (AL) beispielsweise spekulierte damals, vielleicht herrsche auch nur Einigkeit, weil der Stadtrat «sämtliche Wunschzettel entgegengenommen» habe, «ohne uns über seine Wege zum Ziel zu informieren». Deshalb freue sich seine Fraktion auf den Moment, wenn der Stadtrat «über den Preis und den Zeitrahmen» informieren werde.

Seither ist ein Jahr vergangen, Gesundheitsvorsteher Andreas Hauri (GLP) erklärte im letzten November an einer Medienkonferenz, man sei «auf Kurs» (vgl. P.S. vom 12.11.2021). Nichtsdestotrotz reichte die AL vor wenigen Wochen ihre Volksinitiative «Mehr Alterswohnungen in Zürich» ein (vgl. P.S. vom 7. Januar), doch dazu später mehr.

500 Wohnungen in fünf Jahren ...

In den Massnahmen zur Altersstrategie 2035 sind zum Handlungsfeld 1, «Wohnen, Pflege und Unterstützung nach Bedarf», unter anderem «mehr städtische Alterswohnungen», ein «ausgewogener Anteil» älterer Mieterinnen in städtischen Neubauten, die Überprüfung der sistierten Bauprojekte Grünau, Oberstrass und Mittelleimbach, aber auch «Studentisches Wohnen in den Institutionen des GUD erproben» oder die «schrittweise Umwandlung eines Teils der stationären Heimplätze in den Alterszentren zu Wohneinheiten mit Unterstützung und Betreuung» aufgeführt. Was fehlt, sind allerdings, siehe oben, Zeit- und Mengenangaben: Weiss man zum Beispiel unterdessen ungefähr, wo bis in fünf Jahren wieviele Wohnungen für ältere Menschen in zurzeit geplanten oder bereits aufgegleisten Neubauten wie etwa der Siedlung Hardau zur Verfügung stehen werden?

Auf diese Frage antwortet Stadtrat Andreas Hauri zuerst einmal mit der Feststellung, dass alle erwähnten Massnahmen zur Schaffung von mehr Wohnraum für betagte Zürcherinnen und Zürcher «auf Hochtouren» liefen. Die Umsetzung der Altersstrategie sei auf Kurs. «Doch die laufenden Projekte haben sehr unterschiedliche Dimensionen, und gerade, wo es ums Bauen und Umbauen geht, dauert es in der Regel länger, bis Konkretes realisiert ist. Der aktuelle Zwischenstand stimmt mich jedoch optimistisch: Die Stiftung Alterswohnungen ist gut auf Kurs und rechnet mit rund 500 Wohnungen, die in den kommenden zirka fünf Jahren gebaut werden können.»

Und wie viele stationäre Heimplätze können bis in fünf oder zehn Jahren zu Wohneinheiten umgebaut werden? «Bezüglich der Umwandlung eines Teils der stationären Plätze in den städtischen Alterszentren zu Wohneinheiten laufen derzeit sorgfältige Abklärungen, erklärt Andreas Hauri weiter. Und «um in den städtischen Neubauten einen ausgewogenen Anteil älterer Mieterinnen und Mieter sicherzustellen, sehen Erstvermietungskonzepte für neue Wohnsiedlungen ausdrücklich vor, dass ein bestimmter Anteil an Wohnungen an Menschen ab 60 vermietet wird», fügt er an.

... und wann kommt der Rest?

Dennoch: Da es zurzeit in der Stadt Zürich weder Land noch Gebäude zu einigermassen akzeptablen Preisen zu kaufen gibt und es noch einige Zeit dauern dürfte, bis die Preise wieder sinken (falls überhaupt) – wäre es da nicht gescheiter, Umbauten von Altersheimplätzen in Wohneinheiten zu forcieren und so mindestens ein paar neue Alterswohnungen zu erhalten, auch wenn die Kosten dafür auf den ersten Blick einiges höher ausfallen dürften als im Idealfall eines Neubaus auf einem problemlos überbaubaren und günstigen Grundstück? «Im Rahmen der Altersstrategie arbeitet die Stadt derzeit an verschiedensten Massnahmen gleichzeitig, um mehr Wohnraum für ältere Menschen zu schaffen», betont Andreas Hauri. «Die Umwandlung nicht ausgelasteter Alterszentren für Wohnzwecke gehört dazu sowie die substanzielle Erhöhung des Wohnungsbestandes der Stiftung Alterswohnungen (SAW) mittels Neu- und Ersatzbauten, Liegenschaftskäufen, Kooperationen mit Genossenschaften und anderen Wohnbauträgern, Satellitensiedlungen etc. Von diesem Mix an Massnahmen verspricht sich die Stadt den grössten Zuwachs an Alterswohnungen.»

Unter denselben Prämissen könnte man auch weiterhin Wohnungen für ältere Menschen - oder auch einen Mix von Wohnungen für ältere Menschen und solchen für StudentInnen und Lehrlinge - in den Triemli-Personalhäusern anbieten, die möglicherweise doch nicht per Ende 2023 abgebrochen werden (vgl. P.S. vom 25. Februar). «Die Wohneinheiten in den ehemaligen Personalhäusern des Stadtspitals Triemli befinden sich heute in einem sehr rudimentären Ausbaustandard», stellt Andreas Hauri dazu klar: «Um den Wohnbedürfnissen älterer Menschen, die je nachdem auf einen besonderen Ausbaustandard etwa bezüglich Hindernisfreiheit angewiesen sind, zu entsprechen, müssten sie mit einem unverhältnismässig grossen Aufwand saniert werden.»

Und damit zurück zur eingangs erwähnten Volksinitiative «Mehr Alterswohnungen für ZUrich (Plus 2000)»: Im <Tagblatt der Stadt Zürich> vom Mittwoch ist zu lesen, dass die Yolksinitiative zustandegekommen ist. Mal angenommen, der Gemeinderat empfiehlt sie ohne Gegenvorschlag zur Annahme und die Stimmberechtigten sagen Ja – dann sind 2000 Alterswohnungen mit Kostenmiete bis 2035 gefragt: Woher nehmen und nicht stehlen? «Schon im Rahmen der Altersstrategie können bis 2035 1000 zusätzliche Alterswohnungen gebaut werden. Eine Annahme der Initiative würde bedeuten, dass wir die zur Umsetzung der Altersstrategie gestarteten und vielversprechenden Massnahmen weiter intensivieren», erklärt Andreas Hauri und erwähnt, dass man dann Neu- und Umbauten realisieren würde, sowohl in eigener Regie als auch in Kooperationen mit Partnern, sowie in Immobilien investieren.

Danach gefragt, welche Massnahmen ihm persönlich am besten geeignet scheinen, um möglichst rasch zu möglichst vielen Wohnungen mit Kostenmiete für ältere Menschen zu kommen, stellt der Gesundheitsvorsteher die richtige Mischung in den Vordergrund: «Ich verspreche mir sehr viel vom erwähnten, breiten Massnahmenmix, den die Stadt selber und in Kooperation mit anderen Akteuren realisiert. Zuversichtlich stimmt mich überdies, dass auch von privaten und genossenschaftlich orientierten Anbietern klare Signale kommen, in ihren Institutionen freiwerdende Kapazitäten in Wohnraum umzuwandeln.»