Klimafreundliche Alternativen für 21000 Öl- und Gasheizungen

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STADT ZÜRICH, P.S. 21.05.2021

Die Stadt Zürich erschliesst heute 30 Prozent des Siedlungsgebiets mit Fernwärme und Wärmeverbunden. Der Stadtrat strebt das Ziel an, diesen Anteil bis im Jahr 2040 auf 60 Prozent zu erhöhen.

Roxane Steiger

«Thermische Netze kennt die Stadt Zürich mit der Kehrichtsverbrennungsanlage an der Josefstrasse seit fast 100 Jahren», führte Stadtrat Michael Baumer an einer Medienkonferenz am Mittwoch aus. Fernwärme sei für Hauseigentümerlnnen aufgrund ihrer klimaschonenden und wirtschaftlichen Eigenschaften attraktiv. In Zürich Nord ist heute ein Fernwärmegebiet beinahe flächendeckend etabliert. «In Gebieten ausserhalb des Fernwärmenetzes stellen wir jedoch fest, dass viele Eigentümerschaften sich weiterhin für Heizen mit Öl oder Gas entscheiden und keine klimafreundlichen Alternativen prüfen.» Heute sind 30 Prozent des Siedlungsgebiets mit thermischen Netzen und Wärmeverbünden erschlossen. Die Stadt strebt das Ziel an, diesen Anteil bis 2040 auf 60 Prozent zu erhöhen. «Dazu sollen lokale Energiequellen genutzt werden, wie etwa Kehrichtverbrennungsanlagen oder Seewasser», konkretisierte Baumer. Der Ausbau thermischer Netze soll einen bedeutenden Teil zu klimafreundlichen Heizenergien leisten und spielt somit eine wichtige Rolle für das Klimaziel der Stadt.

Fernwärme langfristig ausbauen

Zur Umsetzung des Projekts müssen die verschiedenen Quartiere mit einem Fernwärmenetz erschlossen werden. Dazu müssen entsprechende Leitungen im Untergrund verlegt und Energiezentralen gebaut werden. Die Stadt will dafür bis 2040 1,5 Milliarden Franken investieren. Zu erwarten sei für die nächsten 20 Jahre zudem ein höheres Bauvolumen als gewöhnlich. Einmal gebaut, haben die Leitungen jedoch eine Lebensdauer von mindestens 50 Jahren. «Dort wo Fernwärme ausgebaut wird, werden Gasnetze abgebaut», informierte Baumer. Über eine Stilllegung sollen KundInnen mindestens 15 Jahre im Voraus informiert werden. Aktuell werden auf dem Stadtgebiet 21 000 Heizanlagen fossil betrieben. «Das Netto Null-Ziel erfordert klimafreundliche Lösungen für diese Heizanlagen», betonte Stadtrat Andreas Hauri. In gewissen Gebieten sei eine Versorgung mit Fernwärme schwierig. Deshalb arbeitet die Stadt an weiteren Lösungen für die Wärmeversorgung in Gebieten ohne thermische Netze. So sollen von den 21000 Gas- und Ölheizungen bis 2040 45 Prozent durch Anschluss an thermische Netze, 50 Prozent mit Wärmepumpen und fünf Prozent mit Biogas- und Holzheizungen betrieben werden.

Der Ausbau soll in Etappen geschehen. Dazu präsentierte Stadtrat Richard Wolff einen Umsetzungsplan. Er regelt den Ausbau zeitlich und geografisch und legt die Rahmenbedingungen für die Energieversorgungsunternehmen fest. Zusätzliche Fernwärmegebiete sollen in Unter- und Oberstrass, Wipkingen, bei der Gewerbeschule und in Aussersihl erschlossen werden. Dazu braucht es einen zusätzlichen Rahmenkredit in Höhe von 330 Millionen Franken. Dieser soll bis November 2021 zur Volksabstimmung kommen. Die Chance zur Erschliessung der Gebiete hat eine Hintergrundgeschichte: Im Stadtteil Zürich-West wurde lange Fernwärme von der Kehrichtverbrennungsanlage an der Josefstrasse bezogen. Diese liegt jedoch seit Ende März dieses Jahres still. «Um das Quartier in Zukunft weiterhin mit Fernwärme zu versorgen, hat die Stadt eine Fernwärmeleitung zwischen der Josefstrasse und dem Kehrichtheizkraftwerk Hagenholz in Zürich Nord gebaut», erklärte Wolff. Im entsprechenden Kredit ist der aktuelle Ausbau der Fernwärmeversorgung entlang der Verbindungsleitung enthalten. Bei den Wärmeverbunden ist der Energieverbund in Altstetten-Nord und Höngg-West, der die Wärme aus dem Klärwerk Werdhölzli nutzt, bereits im Bau. Beim Tiefenbrunnen Energie 360° einen Energieverbund mit Seewasser. Im Seefeld und in der Innenstadt plant das EWZ weitere Seewasserverbunde. Weitere Verbunde sind in den Gebieten Sihlfeld, Enge und Albisrieden geplant.

Grosser Hebel im Gebäudebereich

«Wir planen ein Generationenprojekt. Es handelt sich um ein ambitiöses Unterfangen mithilfe von EWZ, Energie 360° und Entsorgung und Recycling Zürich», informierte Baumer. Deshalb brauche es ein koordiniertes Vorgehen. «Mit der Gründung der neuen Geschäftsstelle <Wärme Zürich> bündeln wir Kräfte, um das Projekt zu vereinheitlichen und zu koordinieren, konkretisierte Baumer. Die Geschäftsstelle bietet Immobilienbesitzerlnnen Angebote und Hilfestellungen zu Heiz-Alternativen an und vermittelt direkt an Energieversorgungsunternehmen im betreffenden Gebiet. Zudem soll sie die Aktivitäten der Energieversorgungsunternehmen koordinieren. Die Geschäftsstelle ist organisatorisch dem Departement der Industriellen Betriebe der Stadt angegliedert. Der Stadtrat beantragt dem Gemeinderat zur Gründung von «Wärme Zürich» einen Nachtragskredit. Finanziert wird die neue Organisation durch EWZ, Energie 360° und Entsorgung und Recycling Zürich. Zudem bietet die Stadt eine zentrale Onlineplattform an, auf der Unterstützungsangebote für Energiethemen gebündelt werden. «Der Prozess soll für Immobilienbesitzende so einfach und klar wie möglich gestaltet werden», führte Baumer aus.

Schliesslich bettete Stadtrat Andreas Hauri das Projekt in die Klimaziele der Stadt ein: «Im Gebäudebereich verfügen wir über einen grossen Hebel. Wir können unsere direkten Emissionen schnell senken, wenn wir dort ansetzen.» Die Stadt verfüge hier über zwei Möglichkeiten: Heizungsersatz und energetische Sanierung. Bei der Senkung der Emissionen handle es sich um eine herausfordernde Aufgabe. Der Wärmebedarf soll auf dem Stadtgebiet trotz Bevölkerungswachstum um 20 Prozent abnehmen und der CO2-Ausstoss muss von 1,7 Tonnen pro Person und Jahr um über 90 Prozent auf 0,13 Tonnen pro Person gesenkt werden. «Deshalb wollen wir das Tempo bei der Umsetzung erhöhen und unseren Handlungsspielraum nutzen.»